Vom Fluch und Segen der Digitalisierung

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16 Mai Vom Fluch und Segen der Digitalisierung

Neuland oder schon Heimat? Immer mehr Bereiche unseres Lebens spielen sich online ab, und mit der rasanten Geschwindigkeit, mit der die digitale Entwicklung voranschreitet, ist es auch kein Leichtes stets up to date zu bleiben. Das ist erstmal auch gar nicht schlimm. Wichtig ist bloß, den Anschluss nicht komplett zu verlieren oder sich gar komplett zu verweigern. Es gilt am Ball zu bleiben, mit der Zeit zu gehen und neu entstehende Nischen zu entdecken und für sich nutzbar zu machen.

Dies gilt besonders – wenn auch nicht ausschließlich – für den Fachhandel. Online-Shopping wird vielerorts als Bedrohung des stationären Handels angesehen, insbesondere dort, wo kleine unabhängige Einzelhändler am Werk sind. Diese Angst ist sicher nicht komplett unbegründet, und selbst dort, wo der Wille zum digitalen Fortschritt da ist, wird dieser meist gebremst von der Unkenntnis der Onlinewelt und der Angst vor horrenden Kosten. Klar, Investitionen sind notwendig, aber es werden welche sein, die sich künftig auszahlen werden. Unterstützung können hierbei externe B2B-Dienstleister geben, die neben Beratung auch die notwendigen Kanäle anbieten und letztere bespielen können.

Wichtigster Punkt bleibt dabei das, was Einzelhändler und Verkäufer seit jeher machen: auf die Bedürfnisse des Kunden achten und ihnen zu entsprechen. Ob wir es wollen oder nicht, als Kunden sind wir bequemer geworden. Die Mehrheit, und insbesondere die jüngere Generation, erwartet auf einschlägigen Webseiten alles zu finden, was das Herz begehrt. Es ist einerseits bequem, von der Couch aus mit dem Laptop oder Tablet zu shoppen, oder auch zeitsparend, wenn man in der S-Bahn mit ein paar Klicks vom Smartphone aus ordert. Es ist also wesentlich für die Einzelhändler auch online ihre Waren und Services zu präsentieren, um somit der Kundschaft im Gedächtnis zu bleiben, und um über das Sortiment und dessen Filialverfügbarkeit zu informieren. Weiß der Kunde, dass das, was ihn interessiert, im Laden verfügbar ist, mag der Gang ins Geschäft, bereits lohnenswerter sein.

 

“ Der Kunde von heute und morgen informiert sich bereits im Vorfeld

über das Angebot und möchte daher vom Verkäufer

keine Fakten runtergebetet bekommen.

Denn nichtsdestotrotz gibt es auch Vorteile des stationären Handels, und der ist vor allem für die Bekleidungsindustrie die Möglichkeit, die Waren nicht nur auf einem Foto oder an einem Model zu sehen,  sondern sie auch fühlen und anprobieren zu können. Für die Käufer erhöht sich dadurch die Gewissheit, dass das Produkt wirklich das richtige für sie ist, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit einer Rückware verringert. Denn seien wir mal ehrlich: So schön, wie das Shoppen im eigenen Wohnzimmer auch ist, umso lästiger ist der Gang zur Post, um ein Packet zurückzuschicken.

Für die Zukunft bedeutet das, eine Koexistenz von stationärem und digitalem Handel ist möglich. Beide Teilbereich sind nötig, müssen aber aufeinander abgestimmt sein. Der Kunde von heute und morgen informiert sich bereits im Vorfeld über das Angebot und möchte daher vom Verkäufer keine Fakten runtergebetet bekommen. Viel wichtiger wird es sein, dass der Verkäufer sein Sortiment und auch den Kunden kennt. Stichwort: Kundendaten sammeln. Es mag ein strittiges Thema sein, aber hat der Verkäufer beispielsweise einen Überblick über die Einkaufshistorie – egal ob online oder stationär erworben – oder auch Kundenfeedback, kann er individueller auf Stammkundschaft reagieren und ihnen dadurch ein hochwertigeres Einkaufserlebnis anbieten und sie so an das Unternehmen binden. Auch passende Zusatzprodukte lassen sich digital rasch ermitteln und abstimmten.

Die Quintessenz des Ganzen ist also, dass die Einzelhändler beides brauchen, den stationären sowie den Online-Handel. Der bequeme Kunde muss die Möglichkeit haben, von zu Hause aus zu kaufen, der vorsichtige dagegen, will sich über Sortiment, Qualität und Verfügbarkeit im Vorfeld informieren können und trotzdem beraten werden. Hat der Kunde einmal ein Lieblingsteil, ist dieses online schnell nachbestellt, und es gibt ein großes Plus für einen kurzen Lieferweg. Höchstes Gut für den Einzelhandel ist daher Flexibilität und Offenheit für das Neue. Kauf- und Käuferdaten digital zu erfassen und auszuwerten lohnt sich also allemal. Denn die Digitalisierung des Fachhandels muss nicht nur als Herausforderung oder gar als Bedrohung verstanden werden, sondern vielmehr als eine Chance.

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