Ups and Downs. Trends und Prognosen im Bodywear-Segment

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17 Jul Ups and Downs. Trends und Prognosen im Bodywear-Segment

Glauben wir jüngsten Trends und Statistiken, dann neigt man in Deutschland aktuell durchaus zum Konsum. Das Geld sitzt verhältnismäßig locker, und das schon seit geraumer Zeit. Zwar darf man nicht außer Acht lassen, dass die wirtschaftliche Stabilität gelegentlich unter den Launen des einen oder anderen Staatenlenkers leidet und hier und da kleine Einknicke zu verzeichnen sind, nichtsdestotrotz sorgen vor allem ein stabiler Arbeitsmarkt und eine niedrige Arbeitslosenquote in Deutschland dafür, dass mehr Geld ausgeben wird. Dies zeigen nicht zuletzt die jüngsten Ergebnisse der monatlichen Konsumklimastudie der Gesellschaft für Konsumforschung.

Beste Voraussetzungen also für den Einzelhandel. Aber wird in bestimmten Branchen tatsächlich mehr ausgegeben? Gerade im Bodywear-Bereich ist die Antwort jein. Sieht man sich die Gesamtprognosen für Damen- und Herrenunterwäsche inklusive Bademänteln, Nachtwäsche und T-Shirts an, ist tatsächlich bis 2021 mit einem jährlichen Umsatzwachstum von -0,2% zu rechnen (statista.com). Was der Freude nun zunächst einen kleinen Dämpfer verpassen mag, ist jedoch keinesfalls ein Grund zur Beunruhigung. Denn schaut man hinter die Kulissen der erhobenen Daten, ist der Übeltäter schnell festgestellt. Es sind die T-Shirts, die den Konventionen der Modeindustrie entsprechend der Unterwäsche zu geordnet werden. Das gilt auch für solche, die heutzutage von der breiten Masse als Oberbekleidung anerkannt würden.

Sieht man sich mit diesem Wissen im Hinterkopf lediglich die Zahlen für Damen- bzw. Herrenunterwäsche an, ist bis 2021 ein klares jährliches Wachstum von 1,8% bei den Damen und 0,9% bei den Herren zu verzeichnen. Berücksichtigt werden für die Damenunterwäsche BHs, Slips, Dessous, Korsagen, Negligés, Schlafanzüge und Bademäntel sowie bei den Herren Unterhosen (Slips und Boxershorts), Schlafanzüge und Bademäntel. Es ist also guten Gewissens von einer positiven Entwicklung im Wäschebereich auszugehen. Beim geschätzten Jahresumsatz für 2018 sticht das schöne Geschlecht mit circa 3 Mrd. Euro die Herren der Schöpfung mit circa 1 Mrd gnadenlos aus: Dies bedeutet, dass für Damenunterwäsche pro Kopf etwa 36 Euro im Jahr ausgeben wird; immerhin 23 Euro mehr als für Herrenware. Es darf aufgeatmet werden.

 

“ Bleibt Deutschland so konsumfreudig, dann ist ein solides Fundament geschaffen, um notwendige Experimente zu wagen und neue Wege zu beschreiten.

 

Dennoch sollte vor allem der stationäre Handel nicht ruhen, denn der Aufwärtstrend gilt auch für den Online-Handel – wenn auch kleinschrittig. Unbestreitbar bleibt aber, dass der E-Commerce in Zukunft an Bedeutung und Marktanteil gewinnen wird (35% aller Altersklassen kaufen gelegentlich Kleidung online ein; bei den 14-29-Jährigen sind es sogar 40%). Blicken wir in eine – vermutlich – noch etwas fernere Zukunft, dann werden Digitalisierung und Technologisierung nicht nur das Anbieterspektrum erweitern, sondern auch durch neue Lieferformen (Roboter, Drohnen) unser Kaufverhalten revolutionieren. Allein deswegen gilt für den herkömmlichen Einzelhandel, das Einkaufen als Event zu zelebrieren und so für die Kundschaft als besonderes Erlebnis attraktiv zu bleiben. Dies ist jedoch nicht als Abgesang auf den traditionellen Einzelhandel zu verstehen, sondern als Wegweiser, neue Potentiale auszuschöpfen.

Apropos Potentiale: das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass ökologisch produzierte Textilien nach wie vor ein Nischensegment sind. Nur etwa 0,05% der verkauften Bekleidung und Textilien ist mit dem GOTS-Label (Global Organic Textile Standard) ausgezeichnet. In Zeiten von gesteigertem Umweltbewusstsein, und in denen bereits bei Ernährung verstärkt Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird, ist es auch für die Bodywear-Branche nicht uninteressant, in diesen Bereich zu investieren, Kennzeichnungen zu verbessern und vor allem Produktpaletten zu erweitern. Denn das bislang größte Manko ist mitunter die zu kleine Auswahl an ökologischen Produkten. Unternehmen sollten die Herausforderung annehmen und zeigen, dass Nachhaltigkeit in der Mode auch jenseits von Grau-Bräunlich-Beige möglich ist.

Unvorhergesehenes kann wie gesagt jederzeit eintreten, für die Bodywear-Branche sieht es in den nächsten Jahren allerdings gut aus. Bleibt Deutschland so konsumfreudig, dann ist ein solides Fundament geschaffen, um notwendige Experimente zu wagen und neue Wege zu beschreiten. Die Weichen Richtung Zukunft sind gestellt.

Bildquelle: Modehaus Wellner, Hameln

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